Dr. Amel Karboul

Was zum Teufel ist systemisch? Teil 1

Was definieren wir als Problem? Oder schauen wir doch auf unsere Ressourcen!

Ein MANAGER fragt: ich höre überall SYSTEMISCH; Denkt systemisch! Systemisches Handeln für Führungskräfte! Wir sind systemische Berater! – Was zum Teufel ist systemisch?

Antwort Nr. 1: Autopoiese, Beobachtung, Beobachtung zweiter Ordnung, Eigendynamik, Evolution, Intervention, Intransparenz, Kommunikation, Komplexität, Leitdifferenz, Lernen, Operative Geschlossenheit, Organisierte Komplexität, Rolle, Reflexion, Selbstreferenz, Selektivität, Strukturelle Kopplung, System, Systemsteuerung, Trivialsystem, Wissen/Nichtwissen …

Alles klar? Falls NEIN probieren Sie es mit:

Antwort Nr. 2: In den nächsten Blogs werden Prinzipien systemisches Denken und Handeln für Manager anhand von Praxis-Beispielen, Geschichten und Übungen dargestellt. Viel Spass!

Was definieren wir als Problem? Oder schauen wir doch auf unsere Ressourcen!
Ein „Cross-funktionales Team“ war unzufrieden mit dessen Meetings. Die Mitglieder machten sich heftige Vorwürfe, weil sie nicht als Team zusammenarbeiteten. Daraufhin wurde eine Beraterin eingeschaltet um Teamentwicklung zu fördern. Nach Einzel-Interviews mit jedem Mitglied fand die Beraterin heraus, dass die Vorausetzungen für ein Team gar nicht vorhanden waren und dass somit die Mitglieder unter den gegebenen Umständen ihre Vorstellung von Teamarbeit nicht verwirklichen können (sie hatten kein gemeinsames Ziel, sie arbeiteten an Ihren Projekten einzelnd oder zu zweit, jedoch nie alle gemeinsam, sie verfügten über unterschiedliche Ausbildungen mit unterschiedlicher Bezahlung, unterschiedlichen Vorgesetzten etc.). Als die Beraterin vorschlug, sie sollten vergessen, ein Team sein zu wollen und einfach als Kollegen zusammen arbeiten, die sich ab und an treffen, um ihre Arbeit in den Projekten zu besprechen und zu koordinieren, entspannte sich die Stimmung. Sie fühlten sich vorher als Versager, die es nicht geschafft haben, im Team zu arbeiten und fanden nun, dass sie unter den gegebenen Umständen eigentlich bereits eine Menge erreicht hatten. Somit fingen Sie an mit dem neu gewonnenen Verständnis als Gruppe (und nicht Team) effektiver zusammen zu arbeiten. Sie definierten realistische und anspruchsvolle Ziele für sich als Gruppe, wie z.B. dass sie sich im Laufe des nächsten Jahres einmal im Monat treffen und gegenseitig für die Umsetzung von Projekten in ihren Bereichen beraten werden. Dies haben sie erfolgreich umgesetzt.

Übung

Schreiben Sie sich eine Liste mit 2 – 3 Kollegen oder Mitarbeitern auf und notieren Sie für jeden die 4 größten Stärken. Anschließend versuchen Sie in den nächsten Wochen diese Stärken zu beobachten und Situationen zu notieren in denen diese auftauchen. Seien Sie ruhig besessen in Ihrer Suche und Beobachtung. Sie werden Wunder erleben!